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06.09.2016

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Moskito Bulletin

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Modellbau & Fach Berichte

Modellbauausstellung einst und heute 

Ein Bildbericht von zwei gleichen Veranstaltungen mit jedoch 32 jährigem Zeitabstand.

Es ist wieder einmal Modellbauausstellung. Es ist Herbst und wir schreiben das Datum 22. bis 26. Oktober 1983. Ein überlanges Wochenende also, mit Feiertag am Mittwoch den 26. Nationalfeiertag. Genügend Zeit für einen ausgedehnten Ausstellungsbesuch.
Die Besucher finden sich im alten Wiener Messepalast ein. Schlangen stehen an den Ticketkassen und ungeduldig warte ich auf den ersehnten Eintritt. So weit so gut.
Der große Hof des Ausstellungsgelände war mit einfachen Holzlatten und einigen Absperrgittern für Automodellvorführungen vorbereitet. Manche Besucher hatten sogar ihre eigenen Modelle mitgebracht und präsentierten ihre Fahrkünste in mitten der Menschenmenge.

Wie war das noch mal? Modellbauausstellung oder Modellbaumesse? Ist das eigentlich das selbe?

Vergegenwärtigen wir uns erst einmal die Zeit in der wir uns jetzt befinden. Einen Computer kannte man nur als Taschenrechner oder als sehr einfache Spielkonsole. Fotografiert hatte man mit analogen Kameras, also mit Film und nachfolgender Entwicklung. In meinem Fall mit einer Agfa Pocket Kamera. Handys waren völlig unbekannt. Es war üblich, wenn nötig aus einer Telefonzelle zu telefonieren. Das Wort "Bankomat" oder Geldautomat gab es nicht. Autos waren nur in besser gestellten Familien zu finden und Funktional Modellbau war eine Freizeitbeschäftigung welche sich ebenfalls nicht jeder ohne weiteres leisten konnte. 

Damals, also 1983 war Modellbau schon etwas ganz besonderes. Es wurde einiges Handwerk abverlangt und der Bau eines Modells war auch nur mit einigem Eigenaufwand zu bewerkstelligen. Klebetechnik, Holzbearbeitung und Finish waren ein wichtiges Thema um überhaupt ein halbwegs ansehbares Gesamtergebnis erzielen zu können.
Damals, also 1983 lautete die Veranstaltung IMA'83, Internationale Modellbau Ausstellung. Die Betonung liegt bei Ausstellung. Besonders deswegen, da es so gut wie nichts zu kaufen gab. Kein Aussteller hatte mehr als ein Produkt des selben am Stand. Kein Ausstellungsbesucher verlies die Veranstaltung mit Paketen oder ganzen Bausätzen. Niemand benötigte einen "Bankomat" um sein Geld gleich vor Ort an den Modellbauladen zu bringen, und niemand stapelte ganze Baukästen zu einem Miniaturshop mit Registrierungskasse auf.

Ganz im Gegenteil, es war Ausstellungsstimmung. Anschauen, bewundern und staunen war angesagt. Filmstudios mit Weltruhm ließen unglaublich Detailgetreue Modelle in Originalgröße aufbauen und Stars aus Fernsehen und Kino standen zur Autogrammstunde bereit.
So war z.B. die USS Enterprise aus dem Film „Star Trek- Der Film“ mit fast 7 Meter Gesamtlänge auf dem Paramount Pictures Stand zu bewundern. Im Kino 1983 wurde noch richtig Trickfilm angewandt. Eine Computeranimation war zu dieser Zeit völlig unvorstellbar. Mit einigen wenigen Prospekten, meist kopierten Druckblättern verlies man erstaunt, beeindruckt und voller Wünsche den Ausstellungsort.

 
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Machen wir nun eine Zeitreise von genau 32 Jahren und sehen auf den Kalender. Es ist wieder einmal Herbst und wir schreiben das Datum 22. bis 26. Oktober 2015. Ein langes Wochenende also, mit Feiertag am Montag den 26. Nationalfeiertag. Genügend Zeit für einen ausgedehnten Messebesuch.

Die Besucher finden sich am Messegelände in Wien/Prater ein. Der Messepalast wurde umfunktioniert. So wie er damals für Ausstellungen zur Verfügung stand, gibt es ihn nicht mehr. Schlangen stehen keinesfalls der Ticketkasse, da man heute bequem von zu Hause aus seine Tickets per Internet online kauft. Ich kann also durchgehen, ohne Wartezeit, ohne der Anspannung was es da alles zu sehen geben wird. So weit so gut.
Das große Freigelände des Messegelände ist voll von parkenden Autos. Ein großer Bereich ist voll mit Sattelschleppern und LKW über 12 Tonnen. Niemand hat sein Modell mitgebracht und führt es gleich vor Ort vor.
Wie war das noch mal? Modellbauausstellung oder Modellbaumesse? Ist das eigentlich das selbe?

Vergegenwärtigen wir uns erst einmal die Zeit in der wir uns heute befinden. Der Computer ist alltäglich geworden und unterstützt uns in vieler Hinsicht. Fotografiert wird heute mit Digitalkameras, ohne Entwicklung eines Negativfilmes. Passt das Bild nicht, einfach löschen und noch mal knipsen.
An mehreren Stellen stehen "Bankomatgeräte" zur Geldbehebung bereit. Menschen stehen davor sogar Schlange. Ach ja, ich kam mit meinem Auto zur Messe. Ich nahm heute den bequemeren Wagen, den 4x4 lies ich in der Garage. Da dies meine Frau nicht wusste, rief ich sie vom Handy aus dem Auto an und sagte ihr dies während der Fahrt.

Heute, also 2015 lautet die Ausstellung „Modellbaumesse“. Die Stände wirken wie kleine Geschäfte und gleichen mehr einem Kirtagstand als einer Messe. Kaufen, kaufen und mitnehmen ist die Devise. Sonderpreise und Abverkaufs Angebote überschlagen sich von Stand zu Stand. Manche stellen mit unzähligen Baukästen ein Labyrint auf und führen Dich an einer Registrierungskasse vorbei. Was, Du hast nur geschaut und nichts gekauft? Die Qualität einer Ausstellung ist ganz und gar verschwunden. Auf manchen Ständen findet man noch Modelle mit Bauaufwand. Doch wenige, eigentlich niemand begutachtet die Ausstellungsstücke. Es scheint als fristen sie ihr Dasein in einer vergangenen Zeit.
Kinoflime werden heute großteils per Computer hergestellt. Nicht einmal Schauspieler werden heut zu Tage noch benötigt. Miniaturen oder Modelle für den Trick? Das gibt es heute nicht mehr. Wozu auch, heute animieren wir die unmöglichsten Dinge auf Leinwand, und das in einer Qualität als wäre es tatsächlich relevant. Zu sehen gab es nicht viel, zu kaufen aber eine ganze Menge. Fertiges Spielzeug aus der Schachtel, für zwischendurch als Lückenfüller unserer so hektischen Freizeit.
Mit unzähligen Hochglanz Prospekten, ganzen Katalogen in Buchform und einigem überteuerten Kram verlasse ich die Messe voller Enttäuschung. 

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Nachsatz: Was will der Autor dieses Berichtes damit sagen? Im Wandel der Zeit erleben wir von Jahr zu Jahr viele Neuerungen beginnend von Technik bis hin zum allgemeinen Leben. Oftmals sprechen wir von der guten alten Zeit. Doch war diese wirklich so gut, wie wir uns immer vorsagen? 
Nein, natürlich nicht. Man kann aber vereinzelt feststellen, dass nicht immer alles was neu glänzt auch wirklich gut oder als tatsächliche Verbesserung anzusehen ist. So ist allein die Entstehung des Internet des einen Fluch und des anderen Segen. Auch die Technik im Modellbau schreitet rasant voran. FPV, GPS, 2.4 bis 5.8 Ghz und echter Autopilot sind da nur einige wenige Stichworte.
Immer wieder gerne nehme ich mal einen Moskito mit Paddelsteuerung zum fliegen, weil er genau so gut fliegt wie andere Modelle auch. Das damit auch ein gewisses Maß an Nostalgie hinzu kommt, verdirbt die Freude am Modellsport keineswegs, ganz im Gegenteil.

Autor: Robert Windbichler
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